Die Geschichte des Oldenburger SV

Die jüngere Geschichte des Oldenburger Sportvereins von 1865 e.V. ist unumwunden als "erfreulich" zu bezeichnen. Die schon seit Jahrzehnten berühmte Kontinuität und Gelassenheit auf der Führungsebene des 1.500 Mitglieder starken Vereins sorgte im Verbund mit der hochgelobten OSV-Jugendarbeit für einen sportlichen Aufschwung, der bisweilen sogar dezente Oberligaträume aufkommen ließ und den OSV erstmals in eine etabliertes Mitglied des schleswig-holsteinischen Spitzenfußballs verwandelte.

Der Aufschwung war nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass es sich beim OSV erfreulicherweise um einen jener Vereine handelt, die trotz Akzentuierung auf "Sportdienstleistungen" nicht vergessen haben, dass auch der Leistungssport seine Berechtigung hat und entsprechend gefördert werden will. Historisch ist OSV das Resultat eines Zusammenschlusses von MTV Jahn 1865 und FC Teutonia 1910, der 1934 auf höhere Weisung durchgeführt worden war. Bis Kriegsende als MTV Jahn auftretend, nahm man 1945 seinen jetzigen Namen an, zählte 1948 dank zahlreicher im Großraum lebender Kriegsgefangener (die Wagrische Halbinsel den Briten als Internierungslager) zu den Gründungsmitgliedern der zweit höchsten Amateurklasse, rutschte aber schon in den fünfziger Jahren aus dem Blickfeld, nachdem viele der unfreiwilligen Verstärkungen in ihre Heimatorte zurückgekehrt waren.

Während sich die OSV-Handballer auch weiterhin in der Landeselite verdingen, fristeten die Fußballer fortan ein Schattendasein, gingen eine (gescheiterte) Liaison mit Nachbar SpVgg Putlos ein und verpassten Ende der sechziger Jahre den Aufstieg in die Landesliga, als sie im entscheidenden Spiel gegen den FSV Lübeck eine 4:0-Führung aus der Hand gaben und noch mit 4:7 verloren.

Zwischenzeitlich in die Bezirksklasse abgestürzt und in einen auf "Jugendarbeit" konzentrierten Klub verwandelt, erreichte der OSV 1979 unter Trainer Klaus Thora zumindest die Rückkehr in die Bezirksliga und erklomm 1988 sogar die Landesliga. 1996/97 meldete die Elf um Spielertrainer Wolfgang Ruge, einst erfolgreicher Torjäger bei Eutin 08, mit Platz drei erstmals Verbandsligaansprüche an.

Ein Jahr darauf verpasste man in der Relegation gegen den TSV Fahrdorf noch den Klassensprung (1:3, 0:1), machte jenen aber schließlich1998/99 mit der Landesligameisterschaft perfekt. Das rührige Führungsduo um Ruge und Fußballboss Hans-Peter Storm ließ sich anschließend auch im Oberhaus nicht beirren, sondern setzte weiterhin auf Kontinuität und Nachwuchsförderung. Zwar man mit Dirk Weber-Klüver (Karriereende) und dem nur noch als Trainer tätigen Wolfgang Ruge gleich zwei Leistungsträger ersetzen, vermochte sich im Premierenjahr mit Rang fünf aber dennoch eindrucksvoll in Szene zu setzen.

2000/01 gelang mit der Verpflichtung von Hans-Friedrich "Mecki" Brunner ein ausgesprochener Glücksgriff. Der langjährige Lübecker Oberligaspieler und Pansdorfer Erfolgstrainer war die perfekte Ergänzung zur vornehmlich aus Akteuren aus der eigenen Jugend bzw. dem näheren Umfeld gebildeten Elf um Regisseur Claus-Dieter Pries. Obwohl die Blau-Weiß-Roten 2001/02 sogar erstmals ins Titelrennen eingriffen (Platz vier), haderte man zugleich mit einem erschreckend kargen Zuschauerzuspruch. Exakt 99 Zahlende wohnten beispielsweise 2003/2004 durchschnittlich den Heimspielen des OSV bei – triste Fußballstimmung in der Handballhochburg Oldenburg. Mit dem Abgang von Erfolgscoach "Mecki" Brunner kam es zur Spielzeit 2004/05 zu einem Einschnitt, dessen Folgen noch nicht abzusehen sind. Aber eins ist gewiss: In der Ruhe liegt die Kraft.

Quelle: "Norddeutschland – Legendäre Vereine", Hardy Grüne