Aus der Not eine Jugend gemacht

Ohne Gütschow, Gottorf, Schoth und mit Abstrichen Markmann startet der OSV in ein aufregendes Jahr. Viele junge Talente rücken jetzt in den Fokus und müssen sich beweisen – nach dem Vorbild eines Philipp Nielsen.

Was, bitte schön, ist Mittelmaß? Wenn ein Verein Platz 8 erreicht, ein Jahr später Platz 7?  So wie der OSV in den vergangenen zwei Jahren. Optimisten erkennen hier auf den ersten Blick eine Steigerung, wenn man jedoch genauer hinschaut, so wird deutlich, dass die Entwicklung der jungen Truppe stagniert und die Platzierungen sind wahrscheinlich im Mittelmaß der Liga anzusiedeln. Zu weit entfernt von den Top 5, aber auch mit einigem Abstand zu den Abstiegsplätzen. Trotzdem wäre es ungerecht, den OSV nur als Durchschnitt, als „graue Maus“ abzutun. Immerhin spielte der OSV sieben Jahre in der Verbandsliga und nach dem, sicherlich auch durch den starken personellen Umbruch bedingten Abstieg aus der alten Verbandsliga und jetzigen Schleswig-Holstein-Liga, seit 3 Jahren in der neuen Verbandsliga.
Bedingt durch die früheren Erfolge, wachsen die Ansprüche wieder beim OSV. Vor allem, die der Spieler. Nach dem gezwungenermaßen radikalen Schnitt vor drei Jahren, jetzt ein kleinerer, der hauptsächlich unsere Zweite sehr stark trifft. Doch während damals die Kreissäge angesetzt werden musste, ist es heute „nur“ das Skalpell.
Rüdiger Schoth weg, John J. Gottorf weg, Patrick Gütschow so gut wie, auch Mario Markmann will zukünftig kürzer treten, um mehr Zeit für seine Familie und seinen Job zu haben, verständlich, doch auch wenn diese vier Typen zum alten Eisen zählen, zu ersetzen sind sie noch nicht, was sie die letzte Saison eindeutig demonstrierten.

Schoth, Gütschow, Gottorf und Markmann – Typen, die dem OSV in den letzten Jahren ein Gesicht gaben. Eine Identität.

Kortz und Nielsen im VorwärtsgangPhilip Nielsen und Alexander Kortz:
Die neuen Führungsspieler des OSV?

„Es hilft nichts, wir müssen jetzt trotzdem nach vorne schauen“ , sagt Andy Brunner und verdeutlicht, dass aus der Not eine Jugend gemacht wird. Die jungen Talente sind jetzt umso mehr gefordert, Verantwortung zu übernehmen, wie Philipp Nielsen, der Mittelfeldmotor. „Er war in der letzten Saison schon ein wichtiger Baustein, jetzt muss er den nächsten Schritt machen und zum Führungsspieler reifen“, fordert Brunner. Und genau aus diesem Fakt schlägt er die Zuversicht, dass gerade jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, dass die Jungen dem OSV ein neues Gesicht geben.

Sicher spielen die meisten schon seit vielen Jahren beim OSV, aber sie konnten sich immer hinter den Arrivierten verstecken, waren es damals Wölk, Rönnpage und Schelling, so waren es die letzten zwei Jahre neben den Routiniers Heisler und Lindhorst eben Gütschow, Gottorf, Markmann und Schoth.
Jetzt sind gerade die Typen wie Christian Reise, Felix Wenn und Alexander Kortz gefordert, die jungen Burschen, allesamt aus der eigenen Jugend, zu führen. Dieses Jahr mit „Ögi“ Sager leider nur einer, „aber er wird sich mit seinen Fähigkeiten kurz- bis mittelfristig einen Stammplatz ergattern“, ist sich Böttcher sicher. Zu den Jungen zählen weiter der pfeilschnelle André Brandt, der ein beachtliches Premierenjahr hinlegte, aber auch noch Luft nach oben hat, genauso wie Maxi Petyrek, der Kettenhund und unermüdliche Kämpfer.

Lars Gerkens beim FreistossLars Gerkens (beim Freistoss):
Ab dieser Saison nicht mehr beim OSV

„Mir hilft es nicht, wenn sie brav mittrainieren. Ich will sehen, dass sie Gas geben und in die Mannschaft drängen“, sagt Brunner, der nach den Stationen Großenbrode und Schönwalde in seine zweite komplette Saison als Cheftrainer beim OSV geht. Eine schwierige Aufgabe, der sich Andy Brunner verschrieben hat. Doch ihm macht die Aufbauarbeit Spaß, wohl wissend, dass Rückschläge immer wieder kommen können (und werden). So wie er es im letzten Jahr selbst erlebte, wo es bis zum Herbst relativ ruhig aussah, es jedoch danach eine minimale Punkteausbeute gab und wäre die Saison so weiter verlaufen, hätte es eng werden können mit der Verbandsligazugehörigkeit. Da stand auch die ansonsten sattelfeste Abwehr nicht. Nicht nur deshalb suchte der dreifache Familienvater eine neue Innenverteidigung. Etabliert haben sich dort anschließend Oldie Maik Lindhorst, der Ruhepol, der durch seine Übersicht und seine immense Zweikampf- und Kopfballstärke besticht und Eigengewächs Alexander Hasler, dem die Kommandos übertragen werden sollen, noch mehr als in der letzten Saison. Eine große Frage steht noch hinter der Position des linken Verteidigers. Qualitativ ist durch den Weggang von Linksfuß „Gurke“ Gerkens gewiss eine Lücke entstanden. Aufgefangen werden soll sie durch die bereits erwähnten Petyrek oder Sager, doch da beide weder Linksfüßer, noch gelernte Außenverteidiger sind, darf man hier gespannt sein, was sich der Trainer einfallen lässt.

Hasler, Kortz, Nielsen, Prvetica, Reise, Wenn - Wer schafft es zum Führungsspieler, die die Mannschaft dringend benötigt?
Brandt, Petyrek, Sager und Rückkehrer Lars Stender - Wer entpuppt sich als Diamant, wer als billiger Modeschmuck?
Emmrich, Heisler und Lindhorst - Kommen sie mit den jungen Wilden, einer ganz anderen Generation zu recht?

Das sind die Fragen, die Andy Brunner in diesen Tagen quälen. Deshalb scheut er sich, klare Ziele zu formulieren, zumindest öffentlich.
Doch auch wenn es zu Beginn nicht so läuft wie gewünscht, das neue Managertrio Philipp Emmrich (Obmann), Paddy Gütschow (Allroundmanager) und Jan Peter Storm (Medien- und Sponsorenbetreuer) werden Andy Brunner auch in kritischen Zeiten den Rücken stärken.
Holger Böttcher, die gute Seele blickt hoffnungsfroh nach vorne, indem er sagt: „Wir stellen eine funktionierende, junge Truppe mit Zukunftsperspektiven.“
Übrigens: Mittelmaß ist auf dem Weg dorthin durchaus als Erfolg zu werten.